Meine Reise ins ehemalige Persien

May 26, 2022

Meine Reise ins ehemalige Persien

In meinen Gedanken war eine Reise in den Iran schon lange hinterlegt. Das Wissen einer grossen Kultur, die Vorstellung über ein abwechslungsreiches und schönes Land sowie die Erzählungen von den gastfreundlichen Menschen liessen diesen Gedanken reifen. Es hat aus politischen und zuletzt auch pandemischen Gründen dann doch eine Weile gedauert, bis dass ich diesen Trip antreten konnte. 

Nachfolgend halte ich in einer Art Tagebuch meine Zeit im ehemaligen Persien fest.

Vorbereitungen

Es ist nicht ganz so einfach, in den Iran einzureisen wie in ein europäisches Land. Die Formalitäten sind bürokratisch und laufen über die Botschaft der Islamischen Republik Iran, in meinem Fall in Bern. Es benötigte einen Visa-Antrag, welcher mit Kopien der Krankenkassen-Police, einem Beleg meiner Fingerabdrücke abgenommen durch die Kantonspolizei und dem Reisepass eingegeben werden musste. Die administrativen Kosten hielten sich mit etwa 120.- CHF im Rahmen, für den Zeitaufwand zur Erledigung benötigte ich etwa einen Tag und das ganze dauerte dann rund zwei Wochen. Sehr gut unterstützt wurde ich dabei vom Reiseveranstalter VisitIran.

Zusammen mit dem dann zugestellten elektronischen Visum (der Iran erteilt keinen Stempel in den Reisepass), meinen dazumal benötigten Covid-Dokumenten und den Fluginformationen war ich somit am 5. März 2022 bereit für das Take-Off nach Persien.

Sehr gut unterstützt wurde ich dabei vom Reiseveranstalter VisitIran.

Tag 1 - Der Beginn meiner Iranreise (6. März 2022)

Auf Grund einer Flugplanänderung konnte ich gegen Mittag gemütlich den Zug nach Zürich nehmen und somit die von Qatar-Airways geforderten 3 Stunden vor dem Check-In am Flughafen sein. Diese waren dann aber nicht nötig und so verbrachte ich über zwei Stunden im mir sehr bekannten Zürich-Kloten bevor mein Flug QR 96 pünktlich abhob. Es war ein ruhiger knapp sechs Stunden dauernder Flug in der Holzklasse ohne nennenswerte Ereignisse.

Hektisch wurde es kurz beim Umsteigen in Doha, da der Flugplan nur 50 Minuten Zeit gewährte, um von Gate A zu Gate E zu wechseln. Dabei musste auch ein kleiner Transferzug genutzt werden. Meine Reiseerfahrung und Kenntnisse über diesen sehr grossen Drehscheiben-Airport waren sehr nützlich. Auf die Sekunde genau erreichte ich den Anschlussflug und gelangte so in knapp zwei Stunden nach Teheran.

Da mich der Chef von VisitIran sehr gut auf die benötigten Dokumente vorbereitet hat, war die Immigration mehr als einfach und sehr effizient. Dies führte dann dazu, dass ich wohl keine 20 Minuten nach der Landung in der Ankunftshalle stand und meinen lokalen Guide suchte. Wir müssen uns auf Grund der unerwartet schnellen Abfertigung meinerseits visuell verpasst und dann Rücken an Rücken gesucht haben. Es war etwas irritierend, morgens um halb vier in Teheran am Flughafen zu stehen und den versprochenen Reiseleiter nicht zu finden. Einerseits nahm ich das mit meiner grossen Reiseerfahrung locker, anderseits bekam ich durch dieses Missverständnis bereits einen Vorgeschmack auf die Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Iraner. Ein deutschsprechender Reiseleiter hat sich meiner angenommen und verzweifelt versucht, meinen Guide zu finden und mich gleichzeitig damit zu beruhigen, dass am Ende alles gut käme.

Es kam auch gut, denn Masoud fand mich kurz darauf und mit ihm begann eine der interessantesten Reisen, die ich je erlebt habe. Zuerst fuhren wir etwa 60 Kilometer in den nördlichen Stadtteil von Teheran und bereits im Auto spürte ich die gute Verbindung zu Masoud. Er war offen, klar und kommunikativ.

Wir erreichten das Hotel Espinas Palace um etwa halb fünf in der Früh, kurzes Einchecken und dann nahm ich eine Mütze voll Schlaf. Ein gelungener Start in ein weiteres Land meiner exotischen Destinationen.

Ein gelungener Start in ein weiteres Land meiner exotischen Destinationen.

Tag 2 - Teheran (7. März 2022)

Kurzes Ausschlafen, kleines Frühstück (zum Akklimatisieren) und los ging es um 1100h. Auf verschiedenen Strassen fuhren wir zum Golestan-Palast. In der Nähe einen Parkplatz zu finden, ist eine riesen Übung. Der Palast stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ist aber von aussen nicht überwältigend anzusehen. Das integrierte Museum über die Besitzer ist recht nett (sehr viele Ölbilder) aber die Spiegelzimmer sind ein „Must“. Aus unzähligen Spiegelmosaiken glitzert es den Besucher an und die wunderschönen Kronleuchter verstärken den Effekt, im 7. Himmel zu sein. Ich habe so etwas auf der ganzen Welt noch nie gesehen! Trotz leichtem Regen schlenderten wir zum und über den Bazar. Orientalisches Feeling, freundliche Menschen und man könnte alles kaufen, was es zum Leben braucht. Masoud organisierte das Mittagessen mitten im Bazar in einem von nur Einheimischen besuchten Lokal. Ohne ihn wäre das Bestellen sehr schwierig und für Landesunkundige fast unmöglich. Ich verzichte deshalb darauf, die Namen all dieser leckeren Speisen wieder zu geben – ich könnte es auch nicht, es waren zu viele.

Nach dem Essen versuchten wir noch das Juwelen-Museum zu besuchen. Wegen zu ... geschlossen. Schade, aber es wäre ein Grund, nochmals nach Teheran zu kommen. Für den Rückweg benötigten wir über zwei Stunden, da wir in diesem Verkehrschaos mehr standen als fuhren. Dadurch konnte ich aber auf diese Art City-Tour viele Eindrücke des alltäglichen Lebens der Iranischen Hauptstadt aufnehmen.

Das Abendessen genoss ich am Iranischen Buffet im fünf Sterne Hotel Espinas Palace.

Tag 3 - Auf nach Kashan (8. März 2022)

Nach nun einer längeren Nacht und einem praktischen Frühstück ging es heute wiederum durch den dichten Verkehr von Teheran zur Tabiat-Brücke. Diese eindrückliche Doppelbrücke über einen Express-Highway verbindet zwei schöne Parkanlagen und wurde 2004 von einer jungen iranischen Ingenieurin entworfen. Anschliessend ging es zu einem der Wahrzeichen des modernen Teheran, dem Azadi-Turm auch Freiheitsturm genannt. Dieser wurde Ende der 60er Jahre anlässlich des 2500-jährigen Jubiläums der iranischen Monarchie unter dem damaligen Schah gebaut. Ein „Must“ bei einem Besuch der iranischen Hauptstadt.

Nach diesen beeindruckenden Besuchen fuhren wir in südöstlicher Richtung nach Kashan (ca. 250 Km). Unterwegs nahmen wir das Mittagessen in einer Art Autobahnraststätte ein, welche sich kaum von unseren Raststätten auf der A1 unterscheidet.

Vor Kashan besuchte ich den ersten persischen Garten auf dieser Reise und dann auch noch den authentischen Bazar in der Stadt. Das sehr gute, iranische Nachtessen nahmen Masoud und ich gemeinsam im wunderschönen Boutique-Hotel Sarahye Ameriha ein.

Das sehr gute, iranische Nachtessen nahmen Masoud und ich gemeinsam im wunderschönen Boutique-Hotel Sarahye Ameriha ein.

Tag 4 - Kashan und Adventure in der Maranjab-Wüste (9. März 2022)

Hervorragend geschlafen und gefrühstückt ... danach ging es mit dem Auto in die Altstadt von Kashan. Zuerst besichtigten wir ein 500 Jahre altes Hamam, leider heute nur noch als Museum nutzbar und anschliessend zwei Herrenhäuser aus vergangener Zeit. Wunderbar, wie hier der orientalische und persische Stil aufgezeigt wird.

Vor dem Mittagessen spazierten wir fast zwei Stunden durch Kashan, was mir natürlich wiederum einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben der Iraner in einer kleineren Stadt gab. Das Mittagessen in einem lokalen Restaurant bekräftigte meinen guten Eindruck dieser Lebensart.

Am späteren Nachmittag fuhr Masoud mit mir in einen Vorort von Kashan, wo wir in einen Four-Wheel-Drive-Car mit Fahrer umstiegen. Mit diesem Wüstenschiff ging es dann etwa 50 Kilometer tief in die Maranjab-Wüste. Eine spezielle und sehr vielfältige Gegend gemischt aus steppenartigem, felsigem, sandigem wie auch salzigem Gelände. Nebst einer Fütterung (mit Orangen) von wilden Kamelen hatten wir auch ein interessantes Gespräch mit Nomaden, welche sich periodisch hier aufhalten. Einen weiteren unvergesslichen Eindruck bescherte mir der Sonnenuntergang in dieser Wüste. Den Abend verbrachten wir wiederum im Boutique Hotel bei einem lokalen Essen.

 Einen weiteren unvergesslichen Eindruck bescherte mir der Sonnenuntergang in dieser Wüste.

Tag 5 - Abyaneh und Ankunft in Isfahan (10. März 2022)

Heute Morgen brachen wir nach dem Frühstück auf Richtung Isfahan, der Stadt im Iran, von welcher ich schon viel gehört hatte. Unterwegs machten wir einen Abstecher in die Karkas - Berge (Peaks bis zu 3899 müM.) und besuchten das abgelegene, pittoreske Dorf Abyaneh. Dort blieb die Zeit stehen und es gibt sogar Menschen, die noch traditionelle Kleidung tragen. Das Mittagessen im Ort war dann zwar eher touristisch, dafür war die Teestube authentisch.

Danach ging es weiter über eine fast autofreie Autobahn bis nach Isfahan, wo wir wiederum ein sehr schönes Hotel bezogen.

Tag 6 - Besichtigung von Isfahan, Teil 1 (11. März 2022)

Den ersten Tag in Isfahan verbrachten wir zum grossen Teil auf und um den Platz des Imam. Dieser zweitgrösste Platz der Welt (nach dem Tian’anmen-Platz in Peking) ist über 500 Meter lang und rund 165 Meter breit. Umsäumt von Moscheen und dem Königspalast ist er einer der eindrücklichsten Plätze der Welt, die ich je sah. 200 Geschäfte umsäumen in Form eines riesigen Bazars den Imam-Platz.

Am Abend besichtigte ich auch noch die beleuchtete Joubi-Brücke, ein weiteres architektonisches Kunstwerk der Perser.

Umsäumt von Moscheen und dem Königspalast ist er einer der eindrücklichsten Plätze der Welt, die ich je sah.

Tag 7 - Besichtigung von Isfahan, Teil 2 (12. März 2022)

Heute ging es zuerst ins armenische Viertel von Isfahan. Sehr interessant war das Gespräch mit einem Betreuer der armenisch-orthodoxen Kirche wie auch der Besuch dieses Gotteshauses. Nach einer Kaffeepause und wiederum interessanten Gesprächen mit Masoud in diesem Teil von Isfahan ging es noch einmal zum Platz des Imam, wo ich nun die grosse Mosche besuchte und eine Kutschenfahrt um den Platz genoss.

Nach dem Nachtessen besichtigte ich zum Abschluss dieser sehr schönen Stadt noch einmal den beleuchteten Imam-Platz.
 

Tag 8 - Aufbruch nach Yazd (13. März 2022)

Nach dem Frühstück Aufbruch gegen Osten. Über die Autobahn ging es etwa 160 Kilometer durch die Wüste nach Yazd. Starke Winde, gemischt mit Sand, machten das Fahren schwierig. Unterwegs besuchten wir in Meybod eine Karawanserei, eine Art Raststätte der alten Seidenstrasse. Ich kaufte dort von einem Händler einige Schals für meine Familie. Ganz in der Nähe besichtigten wir im aufkommenden Sandsturm die Festung Narin. Kurz darauf bezogen wir in Yazd das 5-Sterne-Hotel Safayeh.
 

Tag 9 - in Yazd im Zentrum des Zoroastrismus (14. März 2022)

Heute besichtigten wir die eher religiöse Stadt Yazd. Man sieht hier viel mehr Frauen in entsprechend dunkler Kleidung als in Teheran. Wir spazierten vom grossen Platz mit dem Moscheenkomplex durch die lehmüberbaute Altstadt. Der Besuch der Moschee mit den höchsten Minaretten im Iran war sehr interessant.

Nach dem sehr lokalen Mittagessen (Kamelfleisch) besuchten wir am Nachmittag den schönen persischen Garten, in welchem sich Irans höchster Windturm befindet. Dieses als „klimatisiertes“ Objekt entwickelte Gebäude war aus technischer Sicht sehr beeindruckend. Auf dem Weg zurück besuchten wir noch einem Zurkhaneh, wo die Iraner schon von klein auf die im Iran bekannte traditionelle rituelle Kampfsportart betreiben.

Tag 10 - Yazd Teil 2 und Weiterfahrt nach Abarkuh (15. März 2022)

Als erstes fuhren wir heute zu den schweigenden Türmen vor die Stadt Yazd. Dort lernte ich viel über die im Iran noch verbreitete Religion des Zoroastrismus. Diese vom Propheten Zarathustra in Persien vor knapp 4000 Jahren aufgebrachte Glaubensgemeinschaft war die erste dieser Art, welche nur an einen Gott glaubte. Die Anhänger bestatten ihre Toten offen auf diesen Türmen.

Nach dieser interessanten Besichtigung ging es noch einmal zurück nach Yazd. Am Markar-Platz, dem geographischen Zentrum Irans, haben wir noch einen Kaffee genossen, bevor wir durch eine gebirgige Wüste Richtung Südosten nach Abarkuh fuhren. In einem weiteren sehr schönen Boutique-Hotel machten wir Halt und genossen dort ein familiäres Nachtessen.

 Dort lernte ich viel über die im Iran noch verbreitete Religion des Zoroastrismus.

Tag 11 - Kulturhistorische Highlights in Pasargad und Naqsh -e Rostam (16. März 2022)

Ein liebevolles zubereitetes Frühstück war der Start in den Tag. Als erstes besichtigten wir dann die Zypresse von Abarkuh, der mit über 4000 Jahren zweitälteste Baum der Welt. Genauso interessant war das Eishaus, das man in dieser Gegend vor hunderten von Jahren zum Erhalt von Eis gebaut hat.

Weiter ging es dann Richtung Süden nach Pasargad, der ersten persischen Hauptstadt. Beeindruckend ist dort sicher das Grab des König Kyros I. Nicht weit davon konnte ich dann in Naqsch-e Rostam Felsenreliefs zu Ehren verschiedener grosser Perserkönige bestaunen. Gegen den frühen Abend erreichten wir anschliessend Shiraz, wo ich wiederum in einem 5-Sterne-Hotel eincheckte.

Weiter ging es dann Richtung Süden nach Pasargad, der ersten persischen Hauptstadt. Beeindruckend ist dort sicher das Grab des Königs Kyros I. 

Tag 12 - Shiraz (17. März 2022)

Nach einem zum ersten Mal im Iran eher europäisch wirkenden Frühstück bewunderte ich zuerst die farbefrohe Rosenmoschee und anschliessend einen weiteren persischen Garten. Die dort mitgenommenen Eindrücke sind faszinierend. Interessant war auch die Besichtigung der Festung von Shiraz und natürlich der orientalische Flair des Bazars dieser wunderschönen Stadt. Ein Spaziergang in und um die Altstadt liess mich noch einmal den Alltag im Iran erleben. Am Abend genossen Masoud und ich noch einmal ein sehr gutes Essen in einem lokalen Restaurant.

Tag 13 - Persepolis und weitere Höhepunkte in Shiraz (18. März 2022)

An meinem letzten ganzen Reisetag im Iran besuchte ich zuerst das UNESCO Weltkulturerbe Persepolis. Die berühmteste ehemalige Hauptstadt des alten Persiens hatte ihre Blütezeit etwa 500 v. Chr. und ist heute ein Touristenmagnet. Mehrere recht gut erhaltene Paläste verschiedener Könige können auf dem riesigen Areal bestaunt werden. Für Anhänger alter Archäologie ein „Must“.

Nach der Rückkehr aus Persepolis nach Shiraz tranken wir im schönen Botanischen Garten noch einen Kaffee. Als Abschluss der kulturellen Seite dieses Trips durfte ich am späteren Nachmittag den heiligen Schrein eines früheren, wichtigen Imams besuchen. Auch dieser Ort war für mich mit seinen Spiegelmosaiken mehr als eindrücklich.

Am Abend wechselte ich in ein Übergangshotel, welches näher am Flughafen lag, da mein Rückflug sehr früh angesetzt war.

Tag 14 - eine wunderbare Rundreise geht zu Ende (19. März 2022)

Nach einem sehr kurzen Schlaf brachte mich Masoud zum Flughafen. Ein sehr unkompliziertes und schnelles Check-In brachte mich zum Staunen und die Qatar mich dann über Doha wieder in die Schweiz, wo ich mit leichter Verspätung gut in Zürich gelandet bin. Im direkten Zug fuhr ich nach 10 Reisestunden gesund und munter nach Hause.

Eine unvergessliche Reise über 1600 Kilometer in ein interessantes und auch schönes Land mit herzlichen Menschen bleibt mir unvergessen. Ich bedanke mich bei Nicola Noth von VisitIran für die hervorragende Organisation aber vor allem bedanke ich mich bei Masoud, der mir nicht nur ein guter Reiseleiter sondern auch ein sicherer Fahrer, ein guter Administrator und Organisator, ein belesener Historiker, ein angenehmer Begleiter und auch ein verlässlicher Partner war.

Eine unvergessliche Reise über 1600 Kilometer in ein interessantes und auch schönes Land mit herzlichen Menschen bleibt mir unvergessen.

Ich kann diesen Trip in Zusammenarbeit mit Visitiran und Masoud allen Reisefreudigen nur empfehlen.

Andreas H., Heimberg